Vortrag: Rassistische Entfremdung und humanistische Anerkennung mit Daniel Hildebrandt

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Daniel Hildebrandt
Ort: Stream auf Youtube
17.08.20
 
Die aktuellen Ereignisse rund um den Tod George Floyds haben die Debatte um rassistische Polizeigewalt nicht nur in den USA neu entfacht. 
Die Black Lives Matter -Proteste fokussieren dabei nicht bloß das Problem institutioneller Diskriminierung, sondern gehen weiterführend mit der Kolonialgeschichte der westlichen Staaten ins Gericht und rücken Fragen von schwarzer Identität, weißen Privilegien und die Hoffnung nach einem Ende des rassistischen Ressentiments ins Zentrum der öffentlichen Debatte. Hierbei knüpft die Bewegung oftmals an prägende rassismuskritische und postkoloniale Denker*innen wie Angela Davis, Malcom X oder Stuart Hall an. Ein Name, der immer wieder in Twitter-Quotes und Debatten um den antirassistischen Kampf fällt, ist Frantz Fanon, dessen Theorie dieser Vortrag untersuchen wird. 
Fanons Wirken zeichnet sich einerseits durch seine theoretische Analyse aus, in der er marxistische Gesellschaftskritik, existentialistische Freiheitsethik und Psychoanalyse zusammenbringt, um die „rassistische Entfremdung“ zu überwinden. Andererseits ist Fanon, biografisch betrachtet, eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die sich zwischen zweiter Weltkriegserfahrung, antikolonialer Befreiung und den Anfängen der postkolonialen Theorie bewegt. 
Das Ziel dieses Vortrags ist es demnach, in einem ersten Abschnitt Fanons antirassistische Theorie aus dessen Erstlingswerk Schwarze Haut, weiße Masken mit Blick auf die „Entfremdung der Schwarzen“ und die Hoffnung nach humanistischer Anerkennung näher zu betrachten. In einem zweiten Teil soll weiterführend die Rezeptionsgeschichte des Autors kritisch reflektiert werden, um abschließend in einer gemeinsamen Diskussion Rückschlüsse auf die Aktualität dessen Denkens ziehen zu können. 
 
 Zum Referenten: Daniel Hildebrandt ist Erziehungswissenschaftler und arbeitet als Lehrbeauftragter an der Universität Halle zu Fragen der kritischen Bildungstheorie und Gesellschaftsanalyse sowie der psychoanalytischen Pädagogik. Er ist u.a. in der Leipziger Initiative Mündigkeit durch Bildung tätig, die sich schwerpunktmäßig mit antisemitismuskritischer Bildungs- und Aufklärungsarbeit befasst.
 
Eine Veranstaltung der StAVV Studierendenvertretung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln und des Arbeitskreises "Zur Aktualität materialistischer Kritik". 


Online-Veranstaltungsreihe zu "Autoritarismus" im Mai/Juni 2020

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In Kooperation mit dem Bündnis gegen Antisemitismus, der Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V. und dem Lehr- und Forschungsbereich Politikwissenschaft der Universität zu Köln (Professur Gudrun Hentges)
25.05 - 08.06 - 15.06 - 25.06
 
In den letzten Jahren ließ sich vielfach ein Aufstieg autoritärer Bewegungen und Parteien beobachten. Um diese Entwicklung zu erklären wurde nicht selten auf die Forschungen der Frankfurter Schule zum autoritären Charakter zurückgegriffen, die jedoch zum Großteil aus den 1930er und 1940er Jahren stammen. 
Zwar leben wir heute nicht in einer völlig anderen Gesellschaft, aber trotzdem haben sich viele Bedingungen verändert, nicht zuletzt die Erziehungspraxis. 
Daher wird in der Veranstaltungsreihe die Frage nach der Aktualität der Theorie des autoritären Charakters im Zentrum stehen. 
Einen Überblick über die Termine findet ihr hier: 

 
25.05: „Konformistische Rebellen“ -Einführung und Buchvorstellung zum autoritären Charakter
https://www.facebook.com/events/250877256277884/ 

 
08.06: Zur Pädagogik des autoritären Charakter
https://www.facebook.com/events/522014658494785/

15.06: “Die friedfertige Antisemitin?” – Vom weiblichen autoritären Charakter
https://www.facebook.com/events/897561820759071/ 


25.06: Der autoritäre Charakter heute - Podiumsgespräch
https://www.facebook.com/events/696677231100353/ 


 Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit dem Bündnis gegen Antisemitismus - BgA Köln (https://bga-koeln.tumblr.com/), der Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. (https://www.koelnische-gesellschaft.de/) dem Lehr- und Forschungsbereich Politikwissenschaft (Professur Gudrun Hentges) und dem Graduiertenkolleg Rechtspopulismus - Autoritäre Entwicklungen, extrem-rechte Diskurse und demokratische Resonanzen (Universität zu Köln / Prof. Dr. Gudrun Hentges und Universität Leipzig / Prof. Dr. Oliver Decker) statt. 


Diskussionsveranstaltung: Die Covid19 Pandemie und die Linke

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Alex Feuerherdt // Barbara Umrath // Christian Frings //Justus Spott (ADH) // Florian Biskamp
22.04.20 - 19 Uhr - 21:00
 
Infolge des Corona-Virus hat sich das Leben in Deutschland und vielen anderen Ländern innerhalb weniger Wochen auf eine Weise verändert, die sich zuvor kaum jemand hätte vorstellen können. Angesichts rasant steigender Infektions- und Todeszahlen ist das öffentliche Leben fast vollständig lahmgelegt worden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Während die Schulen und Kindergärten ebenso wie die meisten Geschäfte geschlossen sind, sind indessen Einkaufsartikel wie Toilettenpapier, Nudeln oder Mehl vielerorts zur Mangelware geworden. Zudem werden im Eilverfahren Verordnungen erlassen, die die bürgerlichen Freiheiten massiv einschränken. Darüber hinaus sind Millionen Menschen von Arbeitslosigkeit bedroht, teilweise wird die Situation gar mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 verglichen. Während die einen die Aufrechterhaltung der Maßnahmen fordern, mehren sich aktuell die Stimmen, die nicht zuletzt im Namen der Wirtschaft eine rasche Rückkehr zur Normalität anstreben und bereit sind, den Schutz von Risikogruppen dem unterzuordnen. 

"Wir werden nach der Krise eine andere Gesellschaft sein" konstatiert derweilen auch der Bundespräsident. Für die politische Linke stellt sich die Frage, wie die aktuelle Situation zu bewerten ist und wie auf sie reagiert werden kann. Manche schätzen, dass es im Nachgang des Ausnahmezustandes zu sozialen Kämpfen kommen könnte. Etwa im Gesundheitswesen, dem noch vor einigen Monaten mit weiteren Sparmaßnahmen gedroht wurde und dessen Beschäftigten nun aber die gesellschaftliche Anerkennung als „systemrelevant“ ausgesprochen wird. Andere befürchten mittelfristig den Abbau demokratischer Strukturen zugunsten autoritärer Maßnahmen sowie Angriffe auf soziale Errungenschaften im Namen »alternativloser« ökonomischer Einschnitte nach der Krise. 

Welche Krisenlösung scheint wahrscheinlich und wie lässt sich eingreifen? Kann an die entstandenen solidarischen Netzwerke angeknüpft werden, könnten von ihnen in Zukunft gar emanzipatorische Kämpfe ausgehen? Oder müssen wir mit einer Zunahme von Rassismus, Antisemitismus, Antifeminismus und Nationalismus sowie einem Erstarken rechtsextremer Organisationen rechnen, die schon seit langem von einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung träumen und diesen teilweise mit Waffengewalt aktiv herbeiführen wollen? 
Um diese und weitere Fragen soll es im Rahmen einer Podiumsdiskussion gehen. 

Christian Frings beschäftigt sich seit den 1970er Jahren mit der Kapitalismuskritik von Marx und den weltweiten Klassenkämpfen. Seit den 1980er Jahren war er im Kölner Häuserkampf aktiv und hat selbstständige Arbeiterkämpfe und den Widerstand von Geflüchteten im Rheinland unterstützt. In den letzten Jahren hat er Bücher von David Harvey, Beverly Silver und Vivek Chibber ins Deutsche übersetzt. Er ist regelmäßig an der Marx-Herbstschule in Berlin beteiligt und moderiert Kapital-Lesekreise.

Barbara Umrath ist Post-Doc am Institut für Geschlechterstudien der TH Köln und Referentin für Evaluation bei medica mondiale e.V. Sie arbeitet schwerpunktmäßig zu feministischer und kritischer Gesellschaftstheorie. 

Alex Feuerherdt ist freier Publizist und lebt in Köln. Er schreibt für verschiedene Print- und Online-Medien zu den Themen Israel, Nahost, Antisemitismus und Fußball, unter anderem für die Jüdische Allgemeine, n-tv.de, die Jungle World und MENA-Watch in Wien. Außdem ist er Betreiber des Blogs Lizas Welt.

Justus Spott ist amtierender Meta-Kommissar der Association for the Design of History und Jurist mit Schwerpunkt Asylrecht. Die ADH ist eine akzelerationistische, kommunistische Plattform, die sich für die aktive, planvolle Gestaltung der Zukunft einsetzt.

Floris Biskamp ist Politikwissenschaftler und Soziologe und arbeitet derzeit als Koordinator und Postdoc im Promotionskolleg „Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität“ an der Universität Tübingen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen politische Theorie, Gesellschaftstheorie, politische Ökonomie, Religionspolitik, Populismusforschung und Rassismusforschung. Zudem betreibt Floris Biskamp einen Blog mit kürzeren Texten zu aktuellen Themen.

Eine Veranstaltung des Arbeitskreises "Zur Aktualität materialistischer Kritik" und der "StAVV Studierendenvertretung" an der Humanwissenschaftlichen Fakultät. 
 
Ort: Online-Veranstaltung, Youtube - Link zum Stream: https://www.youtube.com/watch?v=hvc9vYZFRu0&

Johann Georg Elser: 
Der Hitler-Attentäter

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Matheus Hagedorny // Johann Georg Elser: Der Hitler-Attentäter
08.01.20 - 19:30 Uhr - 21:00

Vom Feind der Volksgemeinschaft zum deutschen Helden in 80 Jahren: Georg Elser (1903–1945) wollte Adolf Hitler 1939 mit einer Bombe töten und scheiterte nur knapp. Nach langer Verleumdung setzt ihm die deutsche Gesellschaft ein Denkmal nach dem anderen. Am Umgang mit Elser zeigen sich die Leerstellen und Abgründe der deutschen »Aufarbeitung der Vergangenheit«.
Das Buch geht der Frage nach, was das Andenken an den christlich und kommunistisch geprägten Attentäter in Deutschland über Jahrzehnte blockierte und warum der einsame Widerstandskämpfer heute kein Vorbild sein kann.
Georg Elsers Attentat auf Hitler am 8. November 1939 jährte sich 2019 zum 80. Mal. Anlässlich des Jahrestages stellt Matheus Hagedorny (Leipzig) sein Buch »Georg Elser in Deutschland« vor, welches Anfang November 2019 im Ça ira Verlag erschienen ist.
 
Ort: Hörsaal XIII Hauptgebäude der Universität zu Köln
 
https://www.facebook.com/events/756851448121539/

Alles in den Genen?

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Weiblich Männlich Känguru -
 Kritik des biologistischen Sexismus

27.06.2018, um 18 Uhr - mit Oliver Voß
https://www.facebook.com/events/180879522577163/

Nicht nur wenn es darum geht aufs richtige Klo zu gehen, werden wir daran erinnert, dass diese Gesellschaft in Männer und Frauen aufgeteilt ist.
 Auch sonst erweist sich die gesellschaftlich vorgenommene Zuordnung zu dem einen oder anderen Geschlecht immer wieder als Vorteil oder Nachteil in Bezug auf Sachen, die überhaupt nichts damit zu tun haben.
 Dies bringt Wissenschaftler*innen dazu, nach den Gründen für diese Aufteilung zu suchen.
 Einige vertreten dabei die Theorie, dass diese Unterschiede biologisch begründet sind. Sie suchen dann nach entsprechenden Belegen in der menschlichen Biologie. Sie wähnen sich erfolgreich, wenn sie eine gefundene Regel vermeintlich naturgesetzlich erklären können. Diese wissenschaftliche Erklärung soll zwar nicht wertend sein, gleichzeitig soll sie aber die Notwendigkeit des bestehenden Geschlechterunterschieds aufzeigen.
 Aus dem Wunsch den Geschlechterunterschied und die damit verbundene Gewalt gegen die Einzelnen aufzuheben, halten andere Wissenschaftler*innen der biologischen Erklärung die Entstehung der Geschlechterunterschiede durch die männliche und weibliche Sozialisation entgegen. Sie verweisen auf die historische Veränderlichkeit dieser vermeintlich sehr festen Zuordnungen.
 Es fällt zuerst einmal auf, dass sich diese beiden Theorien widersprechen. Entsprechend werden dieselben Phänomene mal durch die eine und mal durch die andere Theorie erklärt.
 So wie diese Theorien die Phänomene erklären, liegen sie aber beide falsch. Sie machen beide denselben Fehler, um den es in dieser Veranstaltung gehen soll. 


(FÄLLT LEIDER AUS)
Schönheit als Zeichen? -
 Aufstieg und Fall einer Theorie zu körperlicher Attraktivität

29.06.2018, um 18 Uhr - mit Nora Ruck
https://www.facebook.com/events/2058734851004779/

Die Arbeit am eigenen Körper und die Vergrößerung der ihm zugeschriebenen Schönheit sind beinahe zu einer bürgerlichen Pflicht in der spätkapitalistischen Leistungsgesellschaft geworden. Der bislang ungebrochene Trend, den eigenen Körper mit teils extremen Mitteln wie Schönheitschirurgie oder Hungerdiäten ästhetisch zu formen und umzugestalten, weist darauf hin, dass körperliche Schönheit mittlerweile in einem doppelten Sinne ein Merkmal gesellschaftlicher Leistungsträger_innen geworden ist: Sie verweist auf eine Arbeitsleistung und auf finanzielle Ressourcen, um sich die teils sehr teuren Eingriffe leisten zu können. Zuhauf widersprechen einer solchen Zeitdiagnose allerdings psychologische Attraktivitätsforscher-Innen, denen zufolge körperliche Schönheit ein Zeichen für biologische Fitness sein soll, also etwa auf Fruchtbarkeit oder ein gutes Immunsystem hinweisen soll. Diese ‚gute Gene‘ Hypothese körperlicher Attraktivität ist nicht nur in der breiten Öffentlichkeit besonders populär, sondern auch im Feld der psychologischen Attraktivitätsforschung mittlerweile dominant. Ich werde im Laufe meines Vortrags danach fragen, warum sich diese Theorie so breitenwirksam durchsetzen konnte, obwohl sie, wie ich zeigen werde, auf magere empirische Belege verweisen kann und wissenschaftlich hochumstritten ist. Ich werde dazu zum einen nach den konkreten wissenschaftlichen Kontroversen fragen, die sich um die ‚gute Gene‘ Hypothese sowohl in der Evolutionsbiologie als auch in der psychologischen Attraktivitätsforschung ranken und zum anderen aufzeigen, dass es bestimmte gesellschaftliche Bedingungen gibt, in denen solche Studien möglich und populär werden 


 Natürlich NICHT! - Queertheoretische Problematisierungen von Wissenschaften und Identitätskategorien
03.07.2018, um 18 Uhr - mit Dirk Schulz
https://www.facebook.com/events/256441714904896/

Geschlechterforschungen und -theorien erscheinen in einem herkömmlichen Bild einer „reinen“ Forschung verdächtig, weil sie etablierte Trennlinien zwischen wissenschaftlichem Objektivitätsanspruch, ideologischer bzw. politischer Ausrichtung und persönlichen Zugängen unterlaufen. Die wiederkehrenden Unterstellungen einer unwissenschaftlichen Selbstreferentialität und biographisch-politischen Motivation verkennt dabei allerdings das Bemühen von Geschlechterforschungen, „einer ‚wirklichen‘ Welt die Treue zu halten“ (Vgl. Haraway 1995: 78f.). Die Anerkennung von Partialität, Kontext, Perspektivierung, Widersprüchen, unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten und -weisen sowie ihre Begrenzungen gehört zu den Gender und Queer Studies und ermöglicht gerade deshalb die immer wieder notwendige Befragung von kanonisierten und naturalisierten Wissensdiskursen. Der Wille zur Wahrheit, Wirklichkeit und Wissen ist aus queertheoretischer Sicht nicht dadurch motiviert, allgemein- und endgültige Naturgesetze, Fakten und Identitäten „finden“ zu können, sondern die Bedingungen zu analysieren, unter denen ihnen Bedeutung zukommt oder aberkannt wird. Viele der derzeitigen Anti-Gender Studies -Debatten machen deutlich, dass die Infragestellung der etablierten Annahme einer natürlichen Zweigeschlechtlichkeit, die Kritik an heteronormativen und hierarchisierenden Ordnungsmustern sowie Fragen von gleichberechtigter Partizipation und Repräsentation auch immer wieder einen empfindlichen Nerv treffen. Dabei ist das Anliegen queerer Interventionen nicht, Chaos und Beliebigkeit herbeizuführen. Vielmehr geht es darum, Naturalisierungs-, Ausschluss- und Hierarchisierungsmechanismen und –praxen zu problematisieren und gleichzeitig auf mehr Möglichkeiten von Daseinsformen und –„berechtigungen“ hinzuweisen. 


Epistemologische Gewalt in wissenschaftlichen Erklärungen

10.07.2018 - mit Julia Scholz
https://www.facebook.com/events/257346458160976/

Wissenschaftliche Erklärungen geben sich oft den Anstrich neutral und objektiv einen Sachverhalt darzulegen (nur bestimmte Strömungen arbeiten aktiv mit der Situiertheit von Wissen). Neben wissenschaftslogischen Fehlern und falschen Kausalattributionen haben auch verstecktere Erklärungskonstellationen Auswirkungen bei Wahrnehmenden. Es werden verschiedene Beispiele und ihre Wirkungen vorgestellt, so auch asymmetrische Erklärungen und der Effekt dessen, was als erklärenswert erachtet wird. Mitunter sind die Auswirkungen so stark, und zum Beispiel zum Nachteil einer sozialen Gruppe, dass sie durchaus als epistemologische Gewalt bezeichnet werden können.

Bildung im Neoliberalismus

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Zu den zentralen Säulen des Neoliberalismus zählen die Liberalisierung des Handels, die Privatisierung des öffentlichen Sektors und der Abbau sozialer Leistungen: Während sich spätestens seit der finanzbasierten Krise des Kapitalismus, diese Logik als Ideologie entlarvt hat, sind die Bildungsinstitutionen und der Subjektbegriff nach wie vor dem neoliberalen Sog und dessen Folgen unterworfen. Nicht nur für die Einzelnen gilt es möglichst kreativ, fit, flexibel oder unternehmerisch zu sein und zu handeln, auch werden mehr und mehr Abläufe in der Schule betriebswirtschaftlich organisiert, evaluiert und Mechanismen der indirekten Steuerung unterworfen. Durch die Imperative des Marktes sind die Schülerinnen und Schüler dazu angehalten, die eigene Anwendbarkeit als Humankapital auf dem Arbeitsmarkt zu gewährleisten. Die Entwicklung spiegelt sich nicht zuletzt in der Reduktion des Bildungsbegriffs und dem Paradigmenwechsel der Kompetenzorientierung wider.

 Diese Tendenzen haben Folgen für einen kritischen Begriff von Gesellschaft: Denn dem Neoliberalismus gilt Gesellschaft als ein irrationales, undurchschaubares Ganzes. In den Worten Margaret Thatchers existiert diese überhaupt nicht, sondern nur noch Individuen. Damit werden die Subjekt nicht nur zu gesellschaftlichen Analphabeten, die sich undurchschaubaren Zwängen, blind unterwerfen müssen; auch werden gesellschaftliche und strukturelle Ursachen von Problemen individualisiert und einer gemeinsamen Verantwortung entzogen. 
 Mit diesen gesellschaftlichen Entwicklungen und pädagogischen Folgen möchten wir uns im Rahmen unserer Vortragseihe "Bildung im Neoliberalismus" anhand von drei Veranstaltungen kritisch auseinandersetzen:


Resilienz – Eine Herausforderung für die kritische Pädagogik
Vortrag und Diskussion mit Prof Dr. Eva Borst
06.06.2019  - 19 Uhr 

Ort: H 121 (1.Stock) im Hauptgebäude der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Uni Köln (https://www.facebook.com/events/611418129193340/)


 In den letzten Jahren hat der Begriff „Resilienz“ (psychische Widerstandskraft) Eingang in den erziehungswissenschaftlichen und pädagogischen Diskurs gefunden. Der ursprünglich aus der Psychopathologie stammende Begriff wird nunmehr auf Erziehungs- und Bildungsprozesse angewandt, um Kinder für zukünftige traumatische Ereignisse zu immunisieren. Resilienz wird im Zuge dieser Umdeutung zu einem vermeintlichen Bollwerk gegen alle Arten gesellschaftlicher Zwänge, die als solche nicht mehr wahrgenommen werden können und gegen die infolgedessen auch kein Widerstand mehr möglich zu sein scheint. Kinder sollen in der Schule Resilienzkompetenz entwickeln, die sich aber, was zu zeigen sein wird, gegen ihr eigenes selbst richtet. Besonders problematisch in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass das "Weißbuch der Bundeswehr" von 2016 den Begriff im Kontext eines Bedrohungsszenariums aufgreift.
Prof. Dr. Eva Borst ist Privatdozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

 

Widersprüchliche Adoleszenz - prekäre Triangulierung
Vortrag und Diskussion mit Dr. Lutz Eichler

Von der Krippe bis zur Promotion sind unsere höchsten Bildungsziele kommunikativer Austausch, Toleranz und Wertschätzung. Schultypen, Unterrichtsformen, Didaktiken usw. orientieren sich an Methoden, die Emanzipation, Demokratie und Autonomie fördern sollen. Dank Bildungsexpansion verweilen wir auch immer länger im Bildungsmoratorium, in dem wir autonome Handlungsräume haben und lernen kritisch zu hinterfragen und kreativ umzugestalten. Eigentlich dürfte dem kommunikativ-kompetenten BürgerInnen und somit einer besseren Gesellschaft nichts im Wege stehen.
Trotz manch gegenteiliger Schlagzeile neigt allerdings eine große Zahl von Jugendlichen heute zu konservativen bis autoritären politischen Orientierungen. Warum ist das so? Warum scheitern eigentlich unsere wohl überlegten und gut gemeinten freiheitlich-demokratische Bildungsziele so oft.
Im Vortrag wird dieses problem mit Hilfe einer sozialpsychologisch informierten Adoleszenztheorie angegangen. Die These ist, dass durch die Ökonomisierung der Adoleszenz ein Klima emotionaler Verunsicherung entsteht, die von den vulnerableren Jugendlichen unter Rückgriff auf autoritäre und/oder statuserhaltende Muster des Denkens, Handelns und Fühlens kompensiert werden.
Dr. Lutz Eichler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie an der Uni Erlangen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeur in Weiterbildung, tätig in der psychiatrischen Ambulanz der vitos-Klinik in Herborn.
Veröffentlichungen: System und Selbst. transcript Verlag 2013,Distinktive Selbstverwirklichung. In: Soziale Welt, 66(3), 2015, 389–409, zus. mit Andreas Fischer

20.06. 19 Uhr
Ort: H 121 (1.Stock) im Hauptgebäude der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Uni Köln

https://www.facebook.com/events/164536120893927/

 


Wider die neoliberale Mystifizierung des Bildungsbetriebs.
Ein Plädoyer für die pädagogische Kategorie des Verstehens 
im vermeintlichen „Kompetenzzeitalter“
Vortrag und Diskussion mit Prof Dr. Euler
Der Neoliberalismus hat mittlerweile nahezu alle staatlichen Zuständigkeiten einer wettbewerbsorientierten Reform (häufig verkürzt als „Ökonomisierung“ bezeichnet) unterzogen, auch das Bildungswesen. Dadurch erfolgt eine Eliminierung des genuinen Charakters von Bildung und Pädagogik, was sich auch in massiven Umsteuerungen der zuständigen Erziehungswissenschaft bemerkbar macht. Angesichts der neuen vermeintlich wissenschaftlich gedeckten Umsteuerung im Bildungswesen soll der Eindruck erweckt werden, Pädagogik sei veraltet oder sogar vorwissenschaftlich, womit allerdings faktisch ein enormer Verlust an pädagogischem Wissen und pädagogischer Haltung einhergeht.
In diesem Prozess hat der Begriff der Kompetenz nahezu mystischen Charakter bekommen, z.T. auch auf Seiten der Kritiker, der nicht selten in der Formel gipfelt: „Bildung versus Kompetenz“. Um der Mystifizierung nicht zu erliegen, rückt der Vortrag die gegenwärtigen Entwicklungen in eine historisch-systematische Perspektive, die Bildung und Pädagogik im Widerspruch und eben auch als Widerspruch innerhalb der bürgerlich-kapitalistische<wbr />r Gesellschaft zu begreifen erlaubt. 
Über diese Analyse kann innerhalb des der bürgerlichen Bildung eigenen Widerspruchs von „Integration und Subversion“ (Gernot Koneffke), der steigende Druck auf allen Ebenen des Bildungsbereichs identifiziert werden, der darauf zielt, diesen gänzlich der Kapitalisierung aller Lebensbereiche zu unterwerfen. Aber genau hier bricht das Widersprechende in dieser Integrationsstrategie durch Bildung auf, nämlich im, wie immer auch wieder verfehlten und faktisch verweigerten Anspruch, allgemeine Bildung als pädagogisch zu initiierendes Verstehen von Ich und Welt zu ermöglichen. Daher versucht der Vortrag auch am Ende die Ungereimtheiten und Selbstwidersprüche der sog. Kompetenzorientierung an einem Beispiel freizulegen und damit zugleich auch die Bedingungen in der pädagogischen Praxis zu benennen, um diese Widersprüche pädagogisch produktiv machen zu können. Politische Kritik an den Reformen und praktisch-pädagogische Einsprüche gehören zusammen.

05.07 19 Uhr

https://www.facebook.com/events/742958272576211/